Bitte beachten Sie: In der Praxisklinik gilt FFP-2-Maskenpflicht. Begleitpersonen sind - auch mit Impfung - nicht gestattet. Mehr dazu
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Was Sie über IVF und ICSI wissen sollten

Hier möchten wir einen Überblick über den Ablauf dieser beiden Kinderwunsch-Behandlungen geben. Diese Seite basiert auf der gleichnamigen Broschüre, welche Sie gerne hier per Post bestellen können.

Die Methoden der Eizellbefruchtung

Was bedeutet IVF?

IVF (In-vitro-Fertilisation) bedeutet einfach nur »Befruchtung im Glas«. Dabei werden die Samenzellen und die Eizellen außerhalb des Körpers der Frau zusammengeführt, um dann nach einigen Tagen einen Embryo in die Gebärmutter der Frau zurückzugeben.

Seit wann gibt es IVF und wie sicher ist die Methode?

Das erste sogenannte Reagenzglas-Baby, Louise Brown, kam im Jahr 1978 zur Welt und löste eine große gesellschaftliche Kontroverse über die moralischen Aspekte dieser neuen Methode aus. Die Reaktionen reichten von Euphorie bis Entsetzen. Die Kirchen protestierten massiv gegen das »Eingreifen in den Zeugungsprozess«. Aber auch von medizinischer Seite gab es Befürchtungen, dass die durch IVF gezeugten Kinder unter gesundheitlichen Schäden und Fehlbildungen leiden könnten. In den nachfolgenden 20 Jahren lösten sich zum Glück die Bedenken völlig auf und die IVF wird heute allgemein akzeptiert. Der mittlerweile verstorbene Erfinder der Methode erhielt dafür übrigens den Nobelpreis für Medizin.

In einigen Ländern Europas liegt der Anteil an IVF-Kindern schon bei 5 % aller Geburten. Laut einer Schätzung des europäischen Verbands der Reproduktionsmediziner sind aktuell weltweit über fünf Millionen Kinder mit Hilfe assistierter Reproduktionstechniken geboren worden.

Das Kinderwunsch-Verfahren im Detail

Wie ist der Behandlungsablauf?

Die modernste und verträglichste Stimulationstechnik besteht aus einer einzigen Spritze am zweiten Zyklustag. Mit Hilfe der darin enthaltenen natürlichen Botenstoffe wird so die Reifung einer größeren Zahl an Eizellen gleichzeitig gefördert.

Eine Woche später erfolgt eine Ultraschall- und Blutuntersuchung. Danach wird entschieden, wann der Eisprung ausgelöst wird. Die Eizellentnahme erfolgt exakt 36 Stunden nach der sogenannten Auslösespritze, einer Mikroinjektion, die Sie sich selber unter die Haut verabreichen.

Die Eizellen werden am Tag der Eizellentnahme in einer kurzen Narkose mit einer dünnen Nadel über die Scheide aus dem Eierstock entnommen (Follikelpunktion). Dieser Eingriff ist schmerzfrei.

Übrigens: Nicht jedes Eibläschen enthält eine Eizelle. Die Zahl der gewonnenen Eizellen kann daher deutlich geringer sein als die im Ultraschall sichtbaren Follikel. Je höher das Lebensalter, umso ungünstiger wird dieses Verhältnis.

Nach etwa 24 Stunden ist sichtbar, ob die Eizellen befruchtet worden sind. Fünf Tage später wird einer der Embryonen für den Transfer ausgewählt und die verbleibenden werden für spätere Versuche eingefroren. Der Transfer ist schmerzfrei und deshalb auch ohne Narkose. Sie können und sollen danach wieder aufstehen und selbstverständlich auch arbeiten.

14 Tage nach Entnahme der Eizellen erfolgt der Schwangerschaftstest. Normalerweise übertragen wir nur einen einzigen Embryo pro Versuch. Die Übertragung von zwei Embryonen geht immer mit einem Zwillingsrisiko einher. Der Transfer von 3 Embryonen ist grundsätzlich nicht zu empfehlen.

Das Zeitraster einer IVF-Behandlung können Sie dieser Tabelle entnehmen:

Wann wird die Samenprobe im IVF-ICSI-Zyklus benötigt und wie lange soll man vor der Abgabe der Probe enthaltsam sein?

Die Samenprobe wird am Tag der Eizellentnahme benötigt. Diese bitte von daheim mitbringen, da die Qualität der Probe – trotz des Transports – in der Regel deutlich besser ist, wenn sie stressfrei zu Hause gewonnen wurde. Eine Transportzeit von zwei Stunden ist völlig unproblematisch.

Zusammenhang zwischen Karenzzeit und Spermienqualität bei »schlechten« Spermiogrammen:

Wie werden die Eizellen entnommen?

Die Eizellen werden meist zwischen dem 10. und 14. Zyklustag mittels einer dünnen Nadel per Ultraschall über die Scheide entnommen (Follikelpunktion). Wann Sie in Ihrem natürlichen Zyklus Ihren Eisprung haben, spielt hierbei übrigens keine Rolle, denn es handelt sich um einen »programmierten« Zyklus. Der Eingriff dauert nur circa zehn Minuten und erfolgt in einer leichten Narkose.

Nach der Eizellentnahme bleiben Sie noch zwei Stunden zur Beobachtung bei uns und können dann in Begleitung nach Hause gehen. An diesem Tag bitte Urlaub nehmen. Auf Wunsch schreiben wir Sie auch krank.

Grafische Darstellung einer Follikelpunktion:

Wichtig: Am Tag der Eizellentnahme benötigen wir auch die Spermien Ihres Partners

Was passiert eigentlich genau im IVF-Labor?

Die Befruchtung der Eizellen findet im IVF-Labor statt. Es ist wichtig, zu verstehen, dass sich nicht aus jeder Eizelle ein Baby entwickeln kann, egal wie alt oder jung Sie sind. Der Prozess der Befruchtung ist äußerst kompliziert und dabei passieren seitens der Natur viele Fehler. Von den entnommenen Eizellen lassen sich durchschnittlich 50 % befruchten, von diesen befruchteten Zellen entwickeln sich maximal 50 % zu einer Blastozyste und von diesen Blastozysten entwickeln sich wiederum maximal 50 % zu einem Baby. Wenn die Spermienqualität eingeschränkt ist, kann dieses Verhältnis sogar noch schlechter sein, denn die Anzahl der sich entwickelnden Embryonen ist auch sehr stark von der Qualität der Spermien abhängig (»It takes two to tango«).

Nach der Entnahme werden die gewonnenen Eizellen mit den gewaschenen und aufbereiteten Spermien Ihres Partners zusammengebracht.

24 Stunden nach der Eizellentnahme kontrollieren wir unter dem Mikroskop, wie viele Zellen befruchtet worden sind (sogenannte Vorkernkontrolle) und trennen diese Zellen von den unbefruchteten. Die befruchteten Zellen werden weiter beo­bachtet. Von den vitalsten Embryonen am fünften Tag nach der Eizellentnahme wird einer in die Gebärmutter zurückgegeben und der Rest eingefroren (Kryokonservierung). Die Kryokonservierung ist grund­sätzlich eine sinnvolle Maßnahme und sollte – wann immer möglich – durchgeführt werden.

Die natürliche Selektion von der Eizelle zum Baby

Anzahl der benötigten Eizellen und der daraus entstehenden Blastozysten für die Geburt eines Babys im Rahmen einer IVF-ICSI-Therapie bei einer 20-jährigen, 30-jährigen und 40-jährigen Frau*

Der deutlich höhere Anteil an benötigten Blastozysten bei einer 40-jährigen Frau im Vergleich zu dem bei einer 20-Jährigen liegt in der wesentlich höheren Rate an genetisch nicht intakten Blastozysten begründet. Der Grund hierfür ist, dass die Natur mit zunehmendem Alter immer mehr Fehler macht.

* Statistische Durchschnittswerte unter Optimalbedingungen

Was ist der Unterschied zwischen IVF und ICSI?

Vom Behandlungsablauf her gibt es für Sie keinerlei Unterschiede. Im Gegensatz zur IVF wird bei der ICSI das Spermium direkt in die Eizelle eingebracht. Das Verfahren wird angewendet, wenn zu wenige fitte Spermien vorhanden sind oder wenn die Eizelle sich mit IVF alleine nicht befruchten lässt (Gameten-Interaktionsstörung) oder bei fortgeschrittenem Alter der Frau.

Bei Frauen ab 35 wird weltweit überwiegend die ICSI angewendet. Einen Sonderfall stellt der erste IVF-Zyklus dar, bei dem wir und Sie noch keinerlei Erfahrung haben, wie gut sich die Eizellen mit der IVF alleine befruchten lassen. Konnten genügend gute Eizellen entnommen werden, empfehlen wir das sogenannte Splitting, d. h. wir teilen die Zellen in zwei Gruppen auf und behandeln die eine Hälfte der Eizellen mit IVF und die andere sicherheitshalber mit ICSI. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer guten Befruchtungsrate.

Übrigens: Für die Befruchtung ist nicht nur ein einziges »Super-Spermium« pro Eizelle erforderlich, sondern hunderttausende Samenzellen. Sie »knacken« gemeinsam die Eihaut und erst wenn diese sich an einer Stelle geöffnet hat, wird die Eizelle von »dem einen« Spermium befruchtet.

Anzahl der Follikelpunktionen 1982-2014, die zu einer Eizellbehandlung mit IVF und/oder ICSI geführt haben (D.I.R Deutschland, 2014):

Dr. Google und der Beipackzettel oder wie der Nocebo-Effekt uns krank macht.

Wer daran glaubt, dass Stress krank macht, wird auch tatsächlich gestresster sein. Die negative Erwartungshaltung löst Stress und damit den sogenannten Nocebo-Effekt aus. Wir wissen alle von uns selber: wenn ich von möglichen Nebenwirkungen lese, dann treten sie auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit auf. Dies wird Nocebo-Effekt genannt (nocebo, lateinisch »ich werde schaden«). Eine schäd­liche Nebenwirkung – zum Beispiel eines Medikaments – kann auftreten, allein weil man sie erwartet. Der Nocebo ist im Grunde der böse Bruder des Placebo-Effektes. Placebo-Effekte treten beispielsweise auf, wenn ein Mensch ein Schein­medikament ohne Wirkstoff nimmt und es ihm trotzdem besser geht – allein weil er eine Heilung erwartet. Genauso funktionieren Nocebo-Effekte, nur in die andere Richtung, weil der Mensch fest davon überzeugt ist, dass ein Medikament Nebenwirkungen verursacht.

Eine extreme Form des Nocebo-Effekts konnte in einer amerikanischen Studie nachgewiesen werden: Wer ein Leben lang glaubt, sich zu wenig zu bewegen, stirbt auch tatsächlich früher.

Übrigens: Die schlimmsten Nocebo-Effekte der Neuzeit entstehen wahrscheinlich durch die Kombination aus »realem« Arzt und »virtuellem« Arzt (»Dr. Google«).

Was ist »Assisted Hatching«?

Jede Eizelle ist von einer festen Eihülle umgeben. Nach der Befruchtung teilen sich die Zellen zunächst innerhalb der Eihülle und nach ungefähr fünf Tagen »schlüpft« der Embryo aus der Umhüllung, um sich einzunisten. Ist die Eihülle zu dick oder zu zäh aufgrund des Alters der Frau, kann sie das Schlüpfen des Embryos erschweren.

Beim »Assisted Hatching« wird die Eihülle am dritten Tag der Embryonalentwicklung etwas ausgedünnt. Wir verwenden dazu moderne Lasertechnik. Die Gefahr, den Embryo dabei zu verletzen, ist praktisch ausgeschlossen.

 

Warum kann Kalzium bei der Befruchtung der Eizelle helfen?

Kalzium spielt bei der Befruchtung der Eizelle eine wichtige Rolle. Bei niedrigen Befruchtungsraten kann der Grund ein Mangel an Kalzium innerhalb der Eizelle sein. Der Kalziumspiegel im Blut ist hierbei völlig normal. Die Einnahme von Kalzium löst das Problem also nicht. Die Befruchtungsrate kann hingegen durch direktes Anreichern der Eizelle mit Kalzium verbessert werden. Die Eizellen werden hierfür 15 Minuten in ein Kalziumbad (Kalzium-Ionophor) gegeben und anschließend kultiviert. Mehrere Studien konnten eine Verbesserung der Befruchtungsrate durch diese Behandlung nachweisen.

Was ist ein »Fertile®Chip«?

Funktionsanalyse der Spermien

Der Fertile®Chip ist die neueste Technologie im Bereich der Sperma-Analyse und ersetzt und erweitert die frühere PICSI®. Dieses Gerät, welches von der Harvard University Medical School und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) patentiert worden ist, wurde entworfen, um die Samenzellen mit der besten Morphologie auszuwählen, die DNA-Fragmentierung zu reduzieren und den Anteil der reaktiven Sauerstoffmoleküle zu senken. Die Spermien müssen hierbei in einem Objektträger (Chip) chemische und physikalische Mi­krobarrieren passieren, was uns eine Auswahl der besten Spermien erlaubt.

Hierbei macht man sich die natürliche Auslese der Spermien im weiblichen Fortpflanzungstrakt zu eigen. Nachweislich haben die so ausgewählten Spermien eine geringere Rate genetischer Defekte und eine deutlich höhere Befruchtungsfähigkeit als unsortierte Spermien. 

Der Fertile®Chip kann grundsätzlich zur Verbesserung der Befruchtungsrate bei allen Techniken der Reproduktionsmedizin (IUI, IVF, ICSI) eingesetzt werden. 

Der Fertile®Chip kostet 261,28 € und wird von den Krankenkassen nicht übernommen.

Was ist ein »EmbryoScope®«?

Das EmbryoScope® ist ein Inkubator, der es uns ermöglicht, die morphologische Entwicklung Ihrer Embryonen ständig zu überwachen. Hierzu werden alle 15 Minuten Bilder der embryonalen Entwicklung für insgesamt 120 Stunden (= 5 Tage) aufgenommen und ausgewertet.

Die Bilder geben Auskunft über das Teilungsverhalten der Embryonen. Es werden somit direkte, chaotische, reverse u. a. Teilungsmuster in der Embryonalentwicklung erkannt, die uns so Auskunft über das Entwicklungs- und Einnistungs­potential eines Embryos geben.

Die aktuelle Studienlage sieht in der Anwendung des EmbryoScope® eine signifikante Verbesserung in der Blastozystenselektion und damit der Implantations- / Schwangerschaftsrate eines Embryos. Es handelt sich bei dieser Untersuchungsmöglichkeit um ein zeit- und kostenintensives Verfahren. Die Kosten belaufen sich auf 336,15 €.

Was bewirkt die Einnistungs-Spülung mit Granulocyte Colony Stimulating Factor (G-CSF) in der IVF-Behandlung?

Der Vorgang der Einnistung ist hoch kompliziert und unser medizinisches Wissen hierzu ist noch sehr rudimentär. G-CSF stimuliert normalerweise Knochenmarkszellen der weißen Blutkörperchenreihe und wird deshalb seit vielen Jahren bei immunsupprimierte Patienten eingesetzt. G-CSF soll auch auf einen bestimmten Zelltyp der Gebärmutterschleimhaut wirken und damit die Einnistung positiv beeinflussen. In einigen Studien konnte ein positiver Effekt auf die Lebendgeburtrate nachgewiesen werden, in anderen allerdings nicht.

Wir geben hierzu zum Zeitpunkt der Eizellentnahme 300 µg G-CSF in die Gebärmutter mittels eines kleinen Katheters. Da die Eizellentnahme normalerweise in Narkose erfolgt, spüren Sie hiervon gar nichts. Die Kosten dieses Verfahrens werden weder von der privaten noch der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Die Kosten betragen inklusive des Medikamentes Neupogen 196,08 €.

Welche Kosten kommen bei einer IVF-ICSI auf uns zu?

Die Behandlungs- und Medikamentenkosten für die künstliche Befruchtung werden für drei Versuche anteilig von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Vor Beginn der Behandlung muss der Krankenkasse ein Behandlungsplan zur Genehmigung vorgelegt werden. Zusätzlich muss die Beratung durch den überweisenden Facharzt oder Hausarzt attestiert werden und – wenn eine ICSI geplant ist – der Befundbericht vom Andrologen. Außerdem muss ein positiver Röteln-Titer bei der Frau und ein HIV-, Hepatitis-C- und Hepatitis-B-Test (HIV 1/2, HBsAg, HCV-AK, Anti-HBc) von beiden Partnern vorliegen (nicht älter als drei Monate).

Nach der Geburt eines Kindes besteht erneut Anspruch auf drei Behandlungen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Nach einer Fehlgeburt »darf der gescheiterte Behandlungszyklus erneut durchgeführt werden«.

Kosten im Zusammenhang mit dem Einfrieren und Auftauen sowie zusätzliche Maßnahmen wie Splitting, Assisted Hatching, Fertile®Chip, Calcium Ionophor oder EmbryoScope® werden von den Krankenkassen grundsätzlich nicht übernommen.

Welchen Einfluss hat das Alter auf die weibliche und männliche Fruchtbarkeit?

Bei Frauen nimmt die Fruchtbarkeit bereits mit Ende 20 kontinuierlich ab. Mit Beginn des 35. Lebensjahres wird der Abfall immer steiler. Alle Eizellen sind bereits bei der Geburt der Frau angelegt und werden nicht wie die Samenzellen des Mannes laufend neu gebildet. Eizellen sind also immer so alt wie die Frau selber. Das Alter hat nur dann keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, wenn Frauen im Rahmen einer Eizellspende die Eizellen einer jüngeren Frau erhalten.

Schwangerschaftrate für ein Baby je IVF-/ICSI-Zyklus in Abhängigkeit vom Alter der Frau beim Transfer von zwei Embryonen (Stand 2014):

Abnahme des Anteils an beweglichen Spermien pro Ejakulat in Abhängigkeit vom Lebensalter:

Dass Männer bis ins hohe Alter fruchtbar seien, ist ein Mythos. Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeigt, dass der Anteil schnell beweglicher Spermien durchschnittlich um etwa 1 % pro Jahr abnimmt.

Sowohl für den Mann als auch die Frau gilt also: Das Alter hat einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit!

Tipps und unterstützende Maßnahmen bei ungewollter Kinderlosigkeit

Wie hoch sind die Erfolgschancen bei der IVF?

Ob es nach einer IVF zu einer Schwangerschaft kommt, hängt vor allem von Ihrem Alter und den Ursachen der Kinderlosigkeit ab. Die Erfolgschancen pro Transfer liegen statistisch bei etwa 35 %. Viele IVF-Zentren geben höhere Schwangerschafts­raten an. Entscheidend bei diesen »Zahlenspielen« ist, welche Altersgruppen der Statistik zugrunde gelegt und ob Frauen über 40 Jahre überhaupt behandelt wurden. Viele Zentren lehnen nämlich die Behandlung von Frauen über 40 ab, da sich dadurch die Erfolgsstatistik eben deutlich verschlechtert.

Was beeinflusst die Schwangerschaftsrate in der Reproduktionsmedizin am meisten?

Den wichtigsten Einfluss auf den Erfolg einer IVF-ICSI hat das Alter der Paare. Darüber hinaus ist das optimale Zusammenspiel und Ineinandergreifen sämtlicher Schritte von großer Bedeutung. Nur ein erfahrener Arzt, der Sie während der gesamten Behandlung kontinuierlich betreut, kann dies gewährleisten. Optimale technische und personelle Voraussetzungen im Labor haben ebenfalls einen wichtigen Einfluss.

Was sollte ich nach dem Embryotransfer beachten?

Nach einem Embryotransfer brauchen Sie sich in keinerlei Weise einzuschränken. Sie können und sollen danach wieder aufstehen und selbstverständlich auch arbeiten. Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil, schlafen Sie viel und freuen Sie sich des Lebens. Sie sollten auf Nikotin verzichten, denn selbst geringste Dosen Zigarettenrauch sind schädlich für die Eizellen.

Oft wird befürchtet, dass der Embryo nach dem Transfer in der Gebärmutterhöhle »hin und her purzeln und herausfallen« könnte. Diese Angst ist völlig unbegründet, auch wenn durch anatomische Skizzen oft dieser falsche Eindruck entsteht: Die Gebärmutter ist nämlich kein Hohlraum. Ihre Wände sind zum Zeitpunkt des Embryotransfers miteinander in Kontakt wie zwei Scheiben Brot mit Marmelade dazwischen. Der Embryo klebt fest, er kann nicht herausfallen!

Was ist das Besondere am Blastozystentransfer?

Gleich vorweg: Der Blastozystentransfer ist – entgegen einer immer noch weitverbreiteten Meinung – in Deutschland nicht verboten. Blastozysten sind Embryonen, die vier oder fünf Tage im Wärmeschrank wachsen, bevor sie in die Gebärmutter übertragen werden. Wir sind der Meinung, dass der Transfer von Blastozysten zu höheren Schwangerschaftsraten führt, wenn genügend Eizellen zur Verfügung standen.

Welche Methoden gibt es, um die Einnistung des Embryos zu fördern?

Die Einnistung (Implantation) eines Embryos ist ein vielschichtiger Vorgang, den man noch nicht annähernd versteht. Verschiedenste Faktoren greifen dabei komplex ineinander. Entscheidend ist, dass die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) gut aufgebaut ist und die Interaktion zwischen Embryo und Gebärmutterschleimhaut optimal funktioniert. Botenstoffe, wie z. B. Zytokine und Adhäsionsmoleküle, spielen dabei eine wichtige Rolle. Zudem ist es ausschlaggebend, dass das mütterliche Immunsystem tolerant ist und den Embryo, der zur Hälfte väterliches Erbmaterial trägt, nicht abstößt (Immuntoleranz). Hat die Mutter beispielsweise bestimmte schwere Autoimmunerkrankungen, kann dies in Einzelfällen eine Einnistung verhindern.

Bevor man eine solche Immunstörung jedoch diagnostiziert, müssen die wesentlich häufigeren Ursachen für eine mangelhafte Einnistung ausgeschlossen sein. Dies sind schlechte Embryoqualität, Alter sowie genetische Ursachen. Die schlechte Embryoqualität aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Frau lässt sich nicht durch eine Immuntherapie verbessern. Ziel einer potenziellen Immuntherapie ist die immunologische »Umstimmung« der Frau von der »abstoßenden Immunreaktion« zur »schützenden Immunreaktion« gegenüber den Spermien ihres Partners.

In den letzten Jahren hat man in einer Versuchsphase die Indikationsliste für die Immuntherapie erweitert und sie auch bei Paaren mit fehlgeschlagenen IVF-Versuchen angewendet. Nach anfänglich erfolgversprechenden Resultaten in Kleinstudien blieben die Ergebnisse jedoch in der zusammenfassenden systematischen Beurteilung durch die Cochrane Database weit hinter den Erwartungen zurück. Das heißt: Die Immuntherapie zeigte für diese Indikation keinen signifikanten Vorteil, auch wenn dies von einigen Vertretern dieser kostenintensiven Therapie natürlich anders gesehen wird. Ausdruck dieser enttäuschenden Ergebnisse ist die Weigerung der Krankenkassen, bestimmten immuntherapeutischen Medikamenten die Verordnung über Kassenrezept zu gewähren.

Leider kommt es bei manchen Patientinnen auch nach mehrfachen Transfers von Embryonen mit guter Qualität nicht zu einer Schwangerschaft. Bisher stehen nur wenige Methoden zur Verfügung, diesen als wiederholtes Einnistungsversagen (»Repeated Implantation Failure«, kurz RIF) bezeichneten Zustand zu behandeln.

Frauen mit reduzierter Ovarialreserve scheinen von einer DHEA-Behandlung zu profitieren.

Wie viele Behandlungszyklen sind sinnvoll?

Was, wenn Sie drei oder vier IVF-Behandlungen hinter sich gebracht haben, aber ohne Erfolg? Wir raten: unbedingt weitermachen! Dazu ermutigt uns sowohl unsere Erfahrung als auch die Wissenschaft. Eine 2015 in Großbritannien durchgeführte Studie ergab: Die Wahrscheinlichkeit, ein Baby zu bekommen, steigt selbst nach sechs IVF-Behandlungszyklen. Neun bis zehn Zyklen sind laut dieser Studie für Frauen mit einem Alter von bis zu 42 Jahren durchaus sinnvoll.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, an die dritte oder vierte Behandlung noch weitere anzuschließen. Erfahrungsgemäß sind wir nämlich meistens ungeduldiger als die Natur und neigen dazu, zu früh aufzugeben.

Haben Behandlungen im Ausland besseren Erfolg als in Deutschland?

Anbieter aus den europäischen Nachbarländern werben vermehrt mit preiswerten Kinderwunschbehandlungen und besseren Erfolgsaussichten. Insbesondere in Österreich behaupten einige Kliniken und Praxen, das österreichische Embryonenschutzgesetz ermögliche es, »mehr machen zu können« als in Deutschland – was wiederum zu höheren Erfolgsraten führe. Stimmt aber nicht! Der Transfer von Blastozysten (Entwicklungsstadium des Embryos am fünften Tag) beispielsweise wird in Deutschland ebenfalls seit Jahren praktiziert und auch die Auswahl entwicklungsfähiger Embryonen im Reagenzglas ist in Deutschland erlaubt. Tatsache ist, dass sich die »offiziellen« Schwangerschaftsraten von Österreich und Deutschland praktisch nicht unterscheiden, wenn man die »ehrlichen« Zahlen der IVF-Register beider Länder vergleicht.

In Deutschland gilt ein hoher medizinischer Behandlungsstandard. Gleichzeitig besteht für Embryonen ein maximaler Schutz vor Missbrauch. Eine Behandlung im Ausland birgt das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft, da häufig drei oder vier Embryonen übertragen werden. Bei verlockenden Preisangeboten im Ausland sollte berücksichtigt werden, dass Zusatzleistungen wie Konsultationen, Ultraschall- oder Blutuntersuchungen häufig extra abgerechnet werden und eine Behandlung dadurch oft teurer werden kann als in Deutschland.

Die Risiken der Kinderwunschbehandliung – Mythen & Fakten

Kommt es nach einer IVF oder ICSI zu Fehlbildungen beim Baby?

Das Risiko für Fehlbildungen bei Kindern aus assistierter Reproduktion wurde bisher in der medizinischen Fachliteratur uneinheitlich bewertet. In den meisten Studien konnte kein erhöhtes Risiko gefunden werden. Andere Untersuchungen konnten sogar zeigen, die Fehlbildungsrate bei Frauen ab 40, die eine künstliche Befruchtung erhalten hatten, sogar deutlich niedriger ist als nach einer natürlichen Empfängnis. Grund dafür ist vermutlich, dass die natürliche Fehlbildungsrate ab 40 Jahren enorm ansteigt, aber durch eine IVF-Therapie aufgrund der Auswahl der Embryonen deutlich reduziert werden kann.

Im Kinderwunschzentrum an der Oper empfehlen wir allen Schwangeren den neuen nichtinvasiven Pränataltest (NIPT) in der 9. Schwangerschaftswoche.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei der IVF-Behandlung rechnen?

Bei der Eizellentnahme kann es zu kleineren Verletzungen des umliegenden Gewebes kommen. Sollte dies der Fall sein, können nach der Entnahme leichte Blutungen auftreten. Da der Eingriff aber unter Ultraschallsicht durchgeführt wird, sind solche Verletzungen sehr selten.

Ist IVF oder ICSI auch ohne Stimulation möglich?

Ja, in England und Japan sind IVF-ICSI-Behandlungen im natürlichen Zyklus (Spontanzyklus) relativ weit verbreitet. Dies hat vor allem ökonomische Gründe. Die Anzahl an Versuchen, die notwendig sind, um auf diese Weise ein Kind zu bekommen, ist allerdings sehr viel höher als mit Stimulation.

Hat Stress negativen Einfluss auf eine IVF-Behandlung?

Nein, zum Glück nicht. Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll ist, Stress zu vermeiden. Allerdings: Eine gewisse Portion Stress ist für jeden Menschen normal und gesund. Auf keinen Fall sollten Sie wegen einer IVF-Behandlung aufhören zu arbeiten.

Warum führen einige Zentren den Embryo­transfer unter Ultraschallsicht durch?

Die Meinungen, ob ein Embryotransfer unter Ultraschallsicht höhere Schwangerschaftsraten erzielt, sind geteilt. Die wissenschaftliche Datenlage ist fragwürdig.

Wir sind der Ansicht, dass ein Embryotransfer unter Ultraschallsicht nur bei schwierigen Transfers notwendig und sinnvoll ist. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass wir vor jedem Embryotransfer einen 3D-Ultraschall der Gebärmutter durchführen, der uns die optimale Position für den Transferkatheter zeigt. Unserer Meinung nach sollte ein Embryotransfer unter Ruhe und ohne störende Zusatzuntersuchungen erfolgen. Allerdings gibt es in der Medizin zunehmend ein Bedürfnis nach »showpieces« – und der Transfer unter Ultraschallsicht gehört sicherlich dazu, auch wenn dabei für den Laien so gut wie nichts zu erkennen ist.

Besteht durch die Stimulation während der Kinderwunschbehandlung ein erhöhtes Risiko, früher in die Wechseljahre zu kommen?

Nein. Eine große niederländische Studie, die 2005 in der Fachzeitschrift »Menopause« veröffentlicht wurde, konnte keinen Zusammenhang zwischen häufigen IVF-Behandlungen und einem verfrühten Beginn der Wechseljahre finden.

Erhöht eine IVF-Behandlung das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken?

Nein. Laut einer niederländischen Studie ist das Risiko, durch eine IVF-Behandlung an Brustkrebs zu erkranken, nicht signifikant erhöht.

Hat die Qualität der Spermien Einfluss auf die Gesundheit des Babys?

Eine Studie aus dem Jahr 2006 hat dies untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung des Kindes in keiner Weise von der Qualität der Spermien beeinflusst wird, die bei der künstlichen Befruchtung verwendet werden.

Dürfen wir während eines IVF- oder ICSI-Zyklus miteinander schlafen?

Selbstverständlich! Es gibt Hinweise, dass sich die Qualität der Embryonen sogar verbessert, wenn das Paar im IVF-Zyklus Geschlechtsverkehr hat. Man nutzt diesen Effekt heutzutage sogar dadurch, dass man Teile der Samenflüssigkeit aufbereitet und in die Gebärmutter injiziert (sogenannte Einnistungsspülung mit Seminalplasma).

Wie wirken sich Genussgifte auf die Fruchtbarkeit und die Schwangerschaft aus?

Seit Langem weiß man, dass Rauchen für das ungeborene Kind schädlich ist. Zigarettenrauch steht bei den Schadstoffen an erster Stelle, denn es schädigt die Eizellen der Frau. Tee und Kaffee haben nur in sehr hohen Dosen, die im Normalfall nicht erreicht werden, einen negativen Einfluss. Vorsicht ist allerdings bei Coca-Cola geboten: Mehr als zwei Liter pro Tag erhöhen nachweislich das Risiko einer Fehlgeburt.

Übermäßiger Genuss von Alkohol ist die häufigste Ursache für Schädigungen des ungeborenen Kindes. Jede Art von Drogen kann den Embryo in unabsehbarer Weise gefährden.

Verhindert eine IVF in jedem Fall eine Eileiterschwangerschaft?

Nein. Auch wenn der Embryo an einer vorher per Ultraschall exakt ausgemessenen Stelle in der Gebärmutter eingesetzt wird, kann er wandern und sich im Eileiter einnisten. Dies ist allerdings eine große Ausnahme! Normalerweise lässt sich durch einen gezielten Transfer im Rahmen einer IVF-Therapie die Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft deutlich reduzieren.

Erhöht sich durch die Kinderwunschbehandlung das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft?

Nein, denn wir raten dringend vom Transfer von zwei Embryonen ab. Der Transfer von drei Embryonen ist grundsätzlich nicht sinnvoll. Die HFEA (Human Fertilisation & Embryology Authority), eine unabhängige Kommission in Großbritannien, die Kliniken und IVF-Zentren zertifiziert und beurteilt, hat es folgendermaßen auf den Punkt gebracht: »One at a time! The aim of all fertility treatment should be the birth of a healthy, singelton child. Infertility patients can have all the babies they desire – one at a time!«

Kann ich in Deutschland Embryonen spenden?

In Deutschland ist die Eizellspende gesetzlich verboten. Aber seit einigen Jahren wird in süddeutschen Kinderwunschkliniken die Embryonenspende praktiziert. Paare, die nach einer Kinderwunschbehandlung erfolgreich waren, können ihre überzähligen Embryonen anonym anderen Paaren spenden. Das für diesen Zweck gegründete »Netzwerk Embryonenspende« ist ein Zusammenschluss von etwa 20 Reproduktionsmedizinern. Das Netzwerk arbeitet nichtkommerziell.

Paare, denen keine andere Methode helfen konnte, sollen die Option bekommen, sich ihren Kinderwunsch hier und nicht im Ausland zu erfüllen. Die Spender- und Empfängerpaare füllen ein Dokument aus, in dem sie Angaben zu Augenfarbe, Hautfarbe, Erbkrankheiten, Blutgruppe und Körpergröße machen. Diese Angaben werden dann abgestimmt (sogenanntes Matching). Ziel ist es, dass die Kinder den Eltern so ähnlich wie möglich sehen. Die Spender müssen ihre Ausweisdokumente in einem Notariat vorlegen, um den Kindern später die eventuelle Suche nach ihren genetischen Eltern zu ermöglichen (sogenannte nichtanonyme Spende). Dies können die Kinder frühestens ab ihrem 16. Lebensjahr tun.

Die Empfängerpaare müssen übrigens nicht verheiratet sein. Bei Nichtverheirateten muss der Vater das Kind allerdings adoptieren. Auch Frauen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zusammenleben, können eine Embryonenspende erhalten. Nur für Alleinstehende wird die Embryonenspende nicht angeboten. Es gibt eine Altersgrenze, die bei der Empfängermutter beim 45. und beim Vater beim 55. Geburtstag liegt.

Aktuell entschließen sich leider nur sehr wenige Paare dazu, anderen verzweifelten Paaren durch die Spende ihrer Embryonen zu helfen.

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