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Reifeprüfung für Spermien

Nicht alle Spermien eignen sich für die Befruchtung einer Eizelle.

Es ist vielmehr so, dass nur ein geringer Anteil von scheinbar reifen Samenzellen tatsächlich das Potenzial besitzt, eine erfolgreiche Fertilisation, also die Verschmelzung mit dem mütterlichen Genom und nachfolgend eine optimale Entwicklung des frühen Embryos zu gewährleisten. Lange Zeit kam der Beurteilung des Reifegrades von Spermien im Rahmen einer IVF-Behandlung nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Diese Einschätzung hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Mittlerweile verfügt man über eine nennenswerte Anzahl an etablierten und klinisch erprobten Verfahren, die eine gezielte Auswahl der besten Spermien erlaubt. Eines dieser neuen Verfahren heißt PICSI.

PICSI stellt ein erweitertes und nicht-invasives Verfahren zur Spermienselektion im Rahmen einer ICSI-Therapie dar. Die Auswahl der Spermien richtet sich dabei nicht vorrangig nach morphologischen Kriterien (wie etwa bei der IMSI), sondern zielt auf den Reifegrad der Spermien, also den physiologischen bzw. biochemischen Zustand der jeweiligen Samenzelle. Die Köpfe reifer Spermien tragen einen spezifischen Rezeptor für Hyaluronsäure (Hyaluronan). Hyaluronan ist eine wesentliche Komponente der Hülle (Zona pellucida), welche die Eizelle umgibt. Unreife Spermien verfügen nicht über diesen Rezeptor. Bei der Spermienselektion mittels PICSI nutzt man die Eigenschaft der reifen Spermien, beim Befruchtungsvorgang an die Hyaluronsäure des Eizellkomplexes zu binden. Dieser Hyaluron-Bindungstest selektiert Spermien, die ein bestimmtes Reifestadium erreicht haben und die laut Studienergebnissen einen geringen Anteil an DNA-Degradierung aufweisen. In einem zweiten, nachgeschalteten Schritt werden die Spermien dann nach ihrer Morphologie sowie ihrer Beweglichkeit bewertet und für Mikroinjektion der Eizelle herangezogen.

Die derzeitige Datenlage zu klinischen Tests, bei denen PICSI zur Selektion von Spermien eingesetzt wurde, deutet auf eine signifikante Verbesserung hinsichtlich der chromosomalen, also genetischen Ausstattung dieser Spermien hin. So konnte in der Studie von Jakab et al. (2005) von der Yale Unversity gezeigt werden, dass die Fehlverteilung von Chromosomen bei Spermien, die aufgrund ihrer Bindung  ausgewählt wurden, um das 5,4fache reduziert war. Andere publizierte Studien aus den letzten Jahren kommen zu ähnlichen Ergebnissen und deuten auf eine signifikante Verbesserung der Fertilisations- bzw. Implantationsrate nach PICSI hin. Eine strikte und verbindliche Richtlinie für die Verwendung von PICSI im Rahmen einer reproduktionsmedizinischen Behandlung gibt es nicht. Vielmehr spielen hier die individuelle Diagnose sowie die Erfahrungen aus bereits durchgeführten Behandlungen die entscheidene Rolle. Prinzipiell gilt jedoch, dass diese Methode der Spermienselektion bei schlechter Befruchtungsrate nach ICSI sowie einer diagnostizierten Teratozoospermie zu einer deutlichen Verbesserung der Ergebnisse führen kann.

In der beiliegenden PDF-Datei können Interessierte die englische Publikation über die Ergebnisse einer klinischen Studie zur Selektion von Spermien mittels PICSI vor deren Mikro-Injektion lesen.

Weiterführende Literatur:

Worrilow KC, Huynh HT, Bower JB, Anderson AR, Schillings W, Crain JL. PICSI- vs. ICSI: statistically significant improvement in clinical outcomes in 240 in vitro fertilization (IVF) patients.  Fertil Steril 2007 Sept 88: 37

Jakab A, Sakkas D, Delpiano E, Cayli S, Kovanci E, Ward D, Revelli A, Huszar G. Intracytoplasmic sperm injection: a novel selection method for sperm with normal frequency of chromosomal aneuploidies. Fertil Steril 2005 Dec 84(6):1665-73

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