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Behandlungsablauf

Wenn die Periodenblutung einsetzt, beginnt die Behandlung mit einer Mikroinjektion aus natürlichen Botenstoffen, welche die Eizellreifung fördern. Um den 10. Zyklustag folgen eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Blutabnahme. Danach wird entschieden, wann der Eisprung ausgelöst wird. Die Eizellentnahme erfolgt ca. 36 Stunden nach der sogenannten Auslösespritze: Die Eizellen werden unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel über die Scheide aus dem Eierstock entnommen (Follikelpunktion) und in eine Nährlösung übertragen. An unserem Zentrum erhalten Sie für die Follikelpunktion eine leichte Schlafnarkose.
Übrigens: Nicht jedes Eibläschen enthält eine Eizelle. Die Zahl der gewonnenen Eizellen kann deshalb deutlich geringer sein als die der Follikel, die im Ultraschall sichtbar sind. Je älter die Frau, umso ungünstiger wird dieses Verhältnis.
Am Tag der Eizellentnahme benötigen wir die Spermien Ihres Partners. Die Samenprobe bringen Sie von daheim mit. Sie erhalten hierfür ein spezielles Gefäß. Die Probe muss vom Mann persönlich abgegeben werden. Die Authentifizierung erfolgt per Personalausweis.
Im Labor wird die Samenflüssigkeit dann aufbereitet und mit den Eizellen zusammengebracht.
Nach etwa 24 Stunden ist sichtbar, ob die Eizellen befruchtet worden sind. Fünf Tage später werden die Embryonen mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit ausgewählt, bevor sie in die Gebärmutter übertragen werden. Der Transfer erfolgt ohne Narkose und ist normalerweise völlig schmerzfrei.
Wir übertragen in Absprache mit Ihnen einen bis maximal drei Embryonen: Kriterien für die Entscheidung sind die Schwere und Dauer der bestehenden Fruchtbarkeitsstörung sowie Ihr Alter. Bei Frauen unter 35 geben wir meistens nur einen Embryo zurück.

Die Befruchtung der Eizellen findet im IVF-Labor statt. Es ist wichtig, zu verstehen, dass sich nicht aus jeder Eizelle ein entwicklungsfähiger Embryo bilden kann, egal wie alt oder jung Sie sind. Dies ist ein Naturgesetz. Man kann dieses Gesetz als 50 %-Regel zusammenfassen:


Von den entnommenen Eizellen lassen sich durchschnittlich 50 % befruchten, von den befruchteten Zellen werden 50 % zu Blastozysten, von den Blastozysten entwickeln sich 50 % zu einer Schwangerschaft, hiervon kommt es in 50 % der Fälle zur Geburt eines Kindes. Dies entspricht zusammengefasst einer Geburtenrate von 5 % pro Eizelle.
Oder anders ausgedrückt: Es sind statistisch etwa 20 Eizellen für die Geburt eines Kindes erforderlich! Das ist ein normaler biologischer »Drop-out« und auch bei der »natürlichen« Fortpflanzung so. Wenn die Spermienqualität eingeschränkt ist, dann erhöht sich die Rate dieses Drop-Outs sogar noch beträchtlich, denn die Anzahl der sich entwickelnden Embryonen ist nicht nur von der Qualität der Eizellen, sondern auch sehr stark von der Qualität der Spermien abhängig!
Es ist aber heute möglich, entwicklungsfähige Embryonen zu identifizieren und nur diese in die Gebärmutter zu übertragen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.


Nach der Entnahme werden die gewonnenen Eizellen im Labor auf mehrere Kulturschalen verteilt und für ein paar Stunden in einen Wärmeschrank (Inkubator) gegeben. Hier können sie weiterwachsen und ausreifen. In der Zwischenzeit werden die Spermien aufbereitet, ihre Dichte und Beweglichkeit ermittelt. Nur geeignete Samenzellen mit hoher Beweglichkeit kommen zum Einsatz. Alle gewonnenen Eizellen werden mit diesen Spermien zusammengebracht: Entweder werden sie gemeinsam in die Kulturschale gegeben (IVF) oder die Samenzellen werden direkt in die Eizellen eingebracht (ICSI). Anschließend kommen die Kulturschalen wieder in den Wärmeschrank.
Am nächsten Tag kontrollieren wir unter dem Mikroskop, wie viele Zellen befruchtet worden sind (Vorkernkontrolle), und trennen diese von den unbefruchteten. Die befruchteten Zellen prüft man nach weiteren 24 Stunden auf Anzeichen der ersten embryonalen Teilungsstadien. Bis zum Transfer werden die Zellen täglich kontrolliert. Die vitalsten Embryonen werden schließlich fünf Tage nach der Eizellentnahme in die Gebärmutter eingebracht. Haben sich mehrere Embryonen gut entwickelt, werden diese eingefroren (Kryokonservierung).

Ein Aussetzen zwischen zwei Behandlungszyklen ist nicht unbedingt notwendig. Eine Pause von einem oder mehreren Monaten beeinflusst die Schwangerschaftsrate nicht signifikant. Dennoch empfehlen wir einen Monat Abstand zwischen zwei Behandlungszyklen: Wenn die Stimulationen unmittelbar aufeinanderfolgen, können die Eierstöcke vermindert auf die erneute Follikelstimulierung ansprechen.
Die Ursache dafür ist, dass die Eibläschen durch die Behandlung häufig deutlich vergrößert sind. Ob es sinnvoll ist, einen Zyklus auszusetzen, wird Ihr Arzt mit Ihnen individuell festlegen.
 
»Conclusion: Patients opting for back-to-back cycles had a significantly higher likelihood of not starting the second cycle when compared to patients who took a 1 month reprieve. This may be due to a high prevalence of residual ovarian cysts. However, if patients were eligible to start a subsequent cycle and completed the cycle, then there was no statistical difference in pregnancy rates.«
Fertility Sterility Vol 92, No 3, Supplement, O – 264, September 2009: Does the inter-cycle duration affect clinical outcome for fresh IVF-cycles?

Wir werden häufig mit der Frage konfrontiert, ob es für die Kinderwunschbehandlung entscheidend ist, dass möglichst wenig Zeit zwischen der Spermiengewinnung und der Aufbereitung der Samenzellen vergeht. Wenn wir eine Samenprobe benötigen, bitten wir fast alle unsere Paare, diese von daheim mitzubringen. Die Qualität der Samenprobe ist in der Regel deutlich besser, wenn sie stressfrei zu Hause gewonnen wurde. Eine Transportzeit von ein bis zwei Stunden ist völlig unproblematisch. Amerikanische Studien haben teilweise sogar Transportzeiten von bis zu fünf Stunden als unbedenklich ausgewiesen. Das Gefäß, in dem Sie die Samenprobe zu uns bringen, kann beispielsweise in der Handtasche (im Sommer) oder in der Jackentasche (im Winter) transportiert werden.

Nach einem Embryotransfer brauchen Sie sich in keinerlei Weise einzuschränken. Sie können unmittelbar danach wieder aufstehen und, wenn Sie möchten, auch arbeiten. Achten Sie weiterhin auf einen gesunden Lebensstil, schlafen Sie viel und freuen Sie sich des Lebens. Be happy!
Sie sollten auf jeden Fall auf Nikotin verzichten, denn selbst geringste Dosen Zigarettenrauch sind schädlich.

Oft befürchten Frauen, dass nach dem Embryotransfer die Embryonen in der Gebärmutterhöhle quasi »hin und her purzeln und herausfallen« könnten. Diese Angst ist völlig unbegründet, auch wenn in anatomischen Skizzen oft dieser falsche Eindruck entsteht: Die Gebärmutter ist nämlich in Wirklichkeit gar kein Hohlraum. Ihre Wände sind zum Zeitpunkt des Embryotransfers in Kontakt miteinander wie zwei Scheiben Brot mit Marmelade dazwischen. Der Embryo klebt fest, er kann nicht herausfallen!

»Of the 406 patients counseled during the study period, 167 preferred immediate ambulation and 239 opted to stay in the unit for one hour‘s bedrest. There were no significant differences between the groups. Pregnancy rates did not differ between the groups: 41 out of 167 (24.55%) in the immediate-ambulation group and 51 out of 239 (21.34 %) in the bed-rest group. CONCLUSION: Immediate ambulation following the ET has no adverse influence on the ability to conceive.«
Immediate ambulation after embryo transfer: a prospective study. Fertil Steril. 2005 Mar; 83(3): 594 – 7.

Die Kosten für die künstliche Befruchtung werden nicht vollständig von den Krankenkassen getragen. Seit 2013 erstatten einige gesetzliche Krankenkassen mehr als 50 %. Manche Kassen übernehmen mittlerweile auch 100 % der Behandlungskosten für drei Versuche, u. a. die Knappschaft, die DAK und die IKK classic, allerdings nur, wenn Sie als Paar dort versichert sind.
 
Im Nachfolgenden haben wir eine Übersicht über die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen und die Kosten zusammengestellt:


Laut Gesetz (§ 27a SGB V; Gesundheitsmodernisierungsgesetz vom 1.1.2004) werden die Kosten der ärztlichen Leistungen einer Insemination bzw. einer IVF-/ICSI-Therapie von den gesetzlichen Krankenversicherungen für bis zu drei vollständige Behandlungen zu 50 % übernommen; die anderen 50 % müssen dem Paar privatärztlich in Rechnung gestellt werden. Ebenso müssen die Kosten der notwendigen Medikamente zu 50 % selbst übernommen werden. Vor Beginn der Behandlung muss der Krankenkasse ein Behandlungsplan zur Genehmigung vorgelegt werden.
Zusätzlich muss die Beratung durch den überweisenden Facharzt oder Hausarzt attestiert werden. Außerdem muss ein positiver Röteln-Titer (mittels Bestimmung der Röteln-Antikörper) bei der Frau und ein negativer HIV-Befund (innerhalb der letzten drei Monate durchgeführt) bei beiden Partnern vorliegen.
 
Nach der Geburt eines Kindes besteht erneut Anspruch auf drei Behandlungen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Nach einem Abort »darf dieser Behandlungszyklus erneut durchgeführt werden«.

Von diesen Regelungen ausgenommen sind:

  • Paare, die nicht verheiratet sind.
  • Paare, bei denen die Frau und/oder der Mann das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und Paare, bei denen die Frau 40 Jahre* oder älter bzw. der männliche Partner 50 Jahre* oder älter ist.
  • Paare, bei denen bei der Frau eine Eileiter- oder beim Mann eine Samenleiter-Unterbindung durchgeführt wurde, unabhängig davon, ob ein operativer Versuch, diese rückgängig zu machen, erfolgt ist oder nicht.
  • Paare, bei denen Spendersamen verwendet wird (eine Eizellspende ist nach dem ESchG § 1 I Nr. 1 grundsätzlich verboten).
  • Paare, die beim Sozialamt versichert sind. In diesem Fall bekommen die Paare für alle ärztlichen Kosten eine privatärztliche Rechnung und für alle notwendigen Medikamente Privatrezepte.

*Ab dem 40. bzw. 50. Geburtstag.