ICSI – Kinderwunschbehandlung bei eingeschränkter Spermienqualität

Die ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist immer dann die richtige Methode, wenn entweder eine Verschmelzungsstörung von Ei- und Samenzellen vorliegt oder die Spermienqualität für eine alleinige Befruchtung im Reagenzglas nicht ausreicht.

ICSI oder IVF – wann wird ICSI eingesetzt?

Bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) ist in der Regel eine Mindestanzahl von 50.000 bis 100.000 funktionsfähigen und schnell beweglichen Spermien pro Eizelle notwendig, um eine Befruchtung zu erzielen. Wenn diese Zahlen nicht erreicht werden, dann ist die ICSI – das modernste Verfahren der Kinderwunschbehandlung – die Therapie der Wahl.

Vom Behandlungsablauf her unterscheidet sich das ICSI-Verfahren für die Paare nicht von der IVF (siehe auch »IVF – Die Behandlung im Detail«). Die Unterschiede der Behandlung finden im Labor statt: Dort wird bei der ICSI jeweils in eine Eizelle ein Spermium von guter Qualität injiziert. Die Spermien müssen also den Weg zur und in die Eizelle nicht selbst finden. Die eigentliche Verschmelzung des Erbgutes findet weiterhin auf natürliche Weise ohne jede Manipulation statt.

Modernste und sicherste Verfahren

Der ICSI-Ablauf im Labor Schritt für Schritt

Ein wichtiger Teil der ICSI – nämlich die Befruchtung der Eizelle – findet, wie bei der IVF, im Labor statt. Auch die Entnahme der Eizellen (Follikelpunktion) und die Spermiengewinnung und -auswahl verlaufen wie bei der IVF.

Nach etwa dreistündiger Ruhe im Inkubator werden die gewonnen Eizellen in spezielle Kulturgefäße für die Mikroinjektion gegeben und auf ihren Reifegrad untersucht. Jetzt werden die geeigneten Spermien zugegeben und in die befruchtungsfähigen Eizellen injiziert. Dazu wird die Eizelle mit einer dicken Glaskanüle fixiert und mit einer sehr feinen Pipette ein Spermium unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle eingebracht.
Nach Abschluss der Behandlung werden die injizierten Eizellen in eine neue Kulturschale mit einer frischen Nährlösung gesetzt.

Auch bei der ICSI werden die Zellen nach 18 bis 20 Stunden unter dem Mikroskop auf Zeichen der Befruchtung kontrolliert. Das Vorgehen bei der Auswahl der befruchteten Eizellen und dem Embryotransfer entspricht dem bei der »normalen« IVF. Sie können es im Kapitel »IVF – Was geschieht im Labor?« genau nachlesen.

Sicherheit und Risiken der ICSI-Behandlung

Das Risiko für Fehlbildungen bei Kindern aus assistierter Reproduktion wurde bisher in der medizinischen Fachliteratur uneinheitlich bewertet. Während in den meisten Studien kein erhöhtes Risiko gefunden wurde, gibt es wiederum solche, die auf eine geringfügige Erhöhung des Fehlbildungsrisikos hindeuten. Es besteht aber Uneinigkeit, ob die angewandten Methoden oder das sogenannte Hintergrundrisiko (wie z. B. Mehrlingsschwangerschaften) diese Erhöhung bedingen.

Weitere Untersuchungen zeigten nun, dass in allen Altersklassen grundsätzlich keine signifikant erhöhte Fehlbildungsrate nach einer IVF-ICSI besteht und diese bei Frauen ab 40 sogar deutlich niedriger ist als nach einer natürlichen Empfängnis. Grund dafür ist vermutlich, dass die natürliche Fehlbildungsrate ab 40 Jahren stark ansteigt, aber durch eine IVF-Therapie aufgrund der positiven Auswahl der Embryonen deutlich reduziert werden kann.

Die Chancen für eine Schwangerschaft durch eine ICSI liegen etwa im gleichen Bereich wie bei einer In-vitro-Fertilisation. Da die Paare häufig jünger sind, sind bei diesen Paaren die Erfolgsaussichten dann auch entsprechend besser.

ICSI mit MESA/TESE bei Azoospermie

Bei diesem Verfahren werden Spermien aus dem Nebenhoden (MESA: mikrochirurgische epididymale Spermien-Aspiration) oder dem Hodengewebe (TESE: testikuläre Spermien-Extraktion) entnommen. Dies ist nötig, wenn die Menge oder Qualität der befruchtungsfähigen Spermien im Ejakulat nicht ausreicht bzw. sich gar keine Spermien im Ejakulat befinden (Azoospermie). Weil sich das Gewebe tiefgefrieren und für mehrere Behandlungen verwenden lässt, reicht in den meisten Fällen ein einziger solcher Eingriff aus. Bei einer Spermiengewinnung durch MESA oder TESE wird im Anschluss immer eine ICSI durchgeführt.

Am Kinderwunschzentrum an der Oper erfolgt die Entnahme der Samenzellen und der Eizellen immer am selben Tag, um die ICSI mit frischem Material durchführen zu können.

Fragen und Antworten zum Thema

Was ist ICSI und wie hilft es bei unerfülltem Kinderwunsch?

Bei der ICSI wird unter dem Mikroskop ein einzelnes, qualitativ hochwertiges Spermium ausgewählt und direkt in die Eizelle injiziert. Die Methode ermöglicht eine Befruchtung auch dann, wenn zu wenige oder in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkte Spermien vorhanden sind – und eröffnet damit vielen Paaren mit männlich bedingtem Kinderwunschproblem eine reale Chance.

Wann wird ICSI statt IVF zur Kinderwunschbehandlung empfohlen?

ICSI wird empfohlen, wenn Anzahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien eine eigenständige Befruchtung per IVF unwahrscheinlich machen. Bei Frauen ab 35 Jahren wird ICSI in den meisten großen Kinderwunschzentren weltweit bevorzugt eingesetzt.

Ist eine Kinderwunschbehandlung mit ICSI für das Kind sicher?

Ja. Zahlreiche Studien belegen, dass die für eine ICSI verwendete Spermienqualität keinen Einfluss auf Gesundheit, Wachstum oder kognitive Entwicklung des Kindes hat. Weltweit wurden Millionen Kinder mit Hilfe von ICSI und anderen assistierten Reproduktionstechniken geboren.

Unterscheidet sich die ICSI-Kinderwunschbehandlung für die Patientin von einer IVF?

Nein. Stimulation, Eizellentnahme und Embryotransfer verlaufen identisch. Der einzige Unterschied liegt im Labor: Statt einer eigenständigen Befruchtung wird das Spermium direkt in die Eizelle eingebracht.

Kann ICSI bei Kinderwunsch mit dem Fertile®Chip kombiniert werden?

Ja. Der Fertile®Chip kann die Spermienauswahl vor einer ICSI weiter optimieren – er selektiert Spermien mit bester Morphologie und geringster DNA-Fragmentierung. Das verbessert die Befruchtungsrate nachweislich und ist besonders bei eingeschränkter Spermienqualität sinnvoll.

Was beeinflusst den Erfolg einer ICSI-Kinderwunschbehandlung am meisten?

Den größten Einfluss hat das Alter der Frau. Hinzu kommen die Qualität des Labors, erfahrene Embryologen, die kontinuierliche Betreuung durch denselben Arzt (One-Doctor-Konzept) sowie die Lebensführung beider Partner. Nikotin hat nachweislich einen stark negativen Einfluss – sowohl auf Eizell- als auch auf Spermienqualität.

Weiterführende Informationen

Reproduktionsmedizin.
Was Sie über IVF-ICSI wissen sollten.

Mit dieser Broschüre möchten wir in wissenschaftlich-kritischer Weise über die Methoden der modernen Repro­duktions­medizin aufklären und Ihnen einen Überblick über den Behandlungs­ablauf geben. Die Informa­tionen beruhen auf langjähriger ärztlicher Tätigkeit und spiegeln die vielen Fragen wider, welche uns am Kinderwunsch und Hormon Zentrum an der Oper in den Gesprächen mit Betroffenen gestellt werden.

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